Noch ganz dicht? Die Novellierung der TA-Luft: Technischen Anleitung zur Reinhaltung der Luft

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Was ist TA-Luft?

Die TA-Luft ist die Technische Anleitung zur Reinhaltung der Luft. Sie gilt als allgemeine Verwaltungsvorschrift zum Bundes-Immissionsschutzgesetz (BImSchG) der deutschen Bundesregierung.

Sie wird vom Bundeskabinett beschlossen, vom Bundesrat genehmigt und richtet sich an Branchen mit betroffenen Anlagen, zur Verringerung von Luftschadstoffen durch Immissionen.

Die Allgemeine Verwaltungsvorschrift zum Bundes–Immissionsschutzgesetz (BImSchG) ist öffentlich zugänglich.

Neufassung der TA-Luft 2021: Wann tritt sie in Kraft?

Die Novellierung der TA-Luft (Technische Anleitung zur Reinhaltung der Luft) ist abgeschlossen. Der Beschluss des Bundeskabinett für das entsprechende Gesetz innerhalb der BImSchG (Bundes-Immissionsschutzgesetz) liegt seit Dezember

2020 vor und das Gesetz inkl. der Neufassung ist beim Bundesrat zur Genehmigung eingereicht.

Eine Zustimmung des Bundesrates liegt seit dem 23. Juni 2021 vor, sodass die Neufassung am 1. Dezember 2021 in Kraft treten kann.

Novellierung der TA-Luft 2021 – was sind die wesentlichen Änderungen?

Aus Sicht von REMBE® sind wesentliche Änderungen zusätzlich im Kapitel 5.2.6.3 Flanschverbindungen/Klemmverbindungen zu finden. Hier wird im Regelwerk mitgeteilt, dass Verbindungen, die sich im Krafthauptschluss befinden, nun die Richtlinie VDI2290 (Ausgabe Juni 2012) erfüllen müssen, um Luftschadstoffe durch Immissionen zu verringern.

Flanschverbindungen, die

  • metallisch sind
  • unterhalb von 400°C betrieben werden und
  • ein in der TA-Luft gelistetes Medium führen

sind genehmigungsbedürftig und müssen nun einen rechnerischen Nachweis der technischen Dichtheit gemäß DIN EN 1591-1 erbringen und dürfen ausschließlich durch Personal, das nach DIN EN 1591-4 geschult wurde, montiert werden.

Ist ein rechnerischer Nachweis gemäß DIN EN 1591-1 nicht möglich, so muss ein neu definierter Bauteilversuch durchgeführt werden.

Dieser Bauteilversuch hat sich jedoch geändert. Nach dem neuen Regelwerk erfolgt der Aufbau jeweils

  • im kundenspezifischen Flansch,
  • bei der effektiv im Betrieb vorliegenden maximalen Temperatur,
  • unter dem effektiv vorliegenden Betriebsdruck und in Kombination mit den tatsächlich eingesetzten Verbindungskomponenten.


Besonders wichtig zu wissen


Durch die Neufassung der TA-Luft wandeln sich die Vorgaben von einer komponentenbezogenen zu einer systembezogenen Betrachtung und Bewertung der Anlagen.

Bisher bezogen sich die Dichtigkeitsanforderungen der TA-Luft nur auf einzelne Komponenten, also die Dichtungen. In Zukunft - durch die Neufassung der Vorgaben zum Genehmigungsverfahren - muss nun nicht mehr nur die Dichtung, sondern der gesamte Aufbau aller Bauteile - als Gesamtsystem - den Anforderungen entsprechen.


Novelle TA Luft - die Konsequenzen


Es wird unterschieden zwischen nichtmetallischen und metallischen Flanschwerkstoffen. Für nichtmetallische Flanschwerkstoffe ist ein Bauteilversuch je System notwendig. Bei metallischen Flanschwerkstoffen kann alternativ zum Bauteilversuch eine Berechnung (EN 1591/FEM) durchgeführt werden. Bei der Berechnung sind zwingend die Kennwerte nach der EN 13555 erforderlich. 

Der Nachweis ist für jedes System notwendig. Ändert sich einer der folgenden Parameter, ist ein erneuter Nachweis erforderlich:

  • Nennweite
  • Rohrklasse
  • Dichtung
  • Betriebsdruck
  • Betriebstemperatur

Erfolgt für den Nachweis ein Bauteilversuch, muss unter realen Bedingungen das Dichtheitskriterium von 1,0 * 10-2 mbar*l/s erfüllt werden. Bei realem Druck ist dies allerdings nach wie vor ein schwieriges Unterfangen. Wird dieser Grenzwert eingehalten, so gilt ausschließlich diese Verbindung als TA-Luft konform zertifiziert. Für alle anderen Flanschsysteme muss jeweils ein neuer Bauteilversuch als Genehmigungsverfahren durchgeführt werden.

Sind im Vergleich zur alten TA Luft neue Anlagenarten betroffen?

Eine detaillierte Auflistung aller durch die Änderungen betroffenen Anlagenarten finden Sie in der öffentlichen Verwaltungsvorschrift der TA-Luft auf Seite 16.

Darin heißt es:

“Anlagen zur Herstellung organischer Grundchemikalien im Sinne dieser Verwaltungsvorschrift sind Anlagen zur Herstellung von folgenden Stoffen oder Stoffgruppen durch chemische, biochemische oder biologische Umwandlung mit einer auf diese Stoffe bezogenen Herstellungskapazität von insgesamt mehr als 20.000 Tonnen pro Jahr in kontinuierlichen Prozessen”

Quelle: Bundesrat (2021): Neufassung der Ersten Allgemeinen Verwaltungsvorschrift zum Bundes-Immissionsschutzgesetz

Zusammenfassend müssen sich jetzt also alle Betriebsorganisationen der Branchen, die mit Kohlewasserstoffen arbeiten, mit den Dichtigkeitsanforderungen der TA-Luft beschäftigen.

TA-Luft konform - REMBE® bietet die Lösung

Die Firma REMBE® setzt vielfach Produkte der Garlock GmbH ein. Allen voran Produkte der GYLON® Serie, bei denen es sich um kalandrierte und modifizierte PTFE Materialien

  • mit gestopptem Kaltfluss,
  • sehr guter chemischer und
  • auch sehr guter temperaturspezifischer Beständigkeit handelt.

Alle GYLON® Materialien verfügen bereits über DIN EN13555 Kennwerte, die für eine Berechnung nach DIN EN 1591-1 und damit für das Erfüllen der zukünftigen TA-Luft Vorgaben notwendig sind. Der Nachweis der technischen Dichtheit kann durch den erforderlichen rechnerischen Nachweis bei Normflanschen erbracht werden.

Bereits seit 2011 werden bei REMBE® Berechnungen EN 1591-1 konform für verschiedene Projekte, Anwendungen und Dichtheitsnachweise konform zur VDI 2290, in Zusammenarbeit mit der Firma Garlock, durchgeführt. Auch für „Tri-Clamp“ Verbindungen aus der GYLON BIO-LINE® PLUS Serie konnten so bereits TA-Luft konforme Beprobungen durchgeführt werden.

Auch die Berstscheiben-Dichtungen des Typs TC(R)-KUB® und deren Folgeprodukte, die speziell für Druckabsicherungen konstruiert wurden, die Sterilität erfordern, wurden schon in der Vergangenheit konform zur EN1591-1 ausgelegt.

Das beweist, dass REMBE®-Kunden auch mit Inkrafttreten der VDI 2290 im Jahr 2012 schon auf der sicheren Seite waren.

Dichtigkeit: Berstscheiben vs. Sicherheitsventile

Mit unterschiedlichen Vor- und Nachteilen verfolgen diese beiden Varianten denselben Ziel-Gedanken: Ein System vor Überdruck und vor gefährlichen Explosionen schützen.

Den besonderen Vorteil, den unsere Berstscheiben bereits jetzt schon erfüllen, ist die erhöhte Dichtigkeit. Ein Sicherheitsventil wird Probleme haben, die Anforderungen und Ansprüche der TA-Luft zu erfüllen, eine Berstscheibe in der Regel nicht. Daher ist es nicht unwahrscheinlich bereits jetzt davon auszugehen, dass mit der Neufassung der TA-Luft auch viele Sicherheitsventile durch Berstscheiben ersetzt werden müssen.

Bei der neuen systembezogenen Betrachtung der TA-Luft werden Berstscheiben in der Sicherheitseinrichtung nun noch eine sehr viel bedeutendere Rolle erhalten.


Unser Ziel: Eine systembezogene Zertifizierung


Eine enge Zusammenarbeit von Anlagen- und Komponentenbauern ist daher unabdingbar. REMBE® strebt bereits jetzt eine systembezogene Zertifizierung in enger Zusammenarbeit mit mehreren Dichtungsherstellern an, welche für die kommenden Monate geplant ist.

Die FH Münster hat sich in Zusammenarbeit mit dem Umweltbundesamt bereits mit der Umsetzung der neuen Vorgaben der TA-Luft auseinandergesetzt und eine Publikation dazu veröffentlicht, die kostenfrei als PDF heruntergeladen werden kann.

In dieser Publikation finden Sie Hinweise, Vorschläge und Konzepte zur Einhaltung der neuen TA-Luft Anforderungen. Für einen schnellen Überblick der Nachweismöglichkeiten dient folgende Übersicht:

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